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5 ml Blut fürs Überleben

08.01.2009 - 20:18

Schweinfurt - Eine bespiellose Hilfsaktion für den kleinen Tobias Weigand aus Schweinfurt steht vor einem Etappenziel. Am kommenden Samstag findet zwischen 10 und 16 Uhr eine große Stammzelltypisierung in den Räumen der Turngemeinde 1848 e.V. im Lindenbrunnenweg 51 statt. Dass das Etappenziel ein Etappensieg wird, liegt an den Bürgern der Region.

Im Oktober 2008 erkrankte der 3½ jährige Tobias Weigand von der Schweinfurter Eselshöhe an einer seltenen, dafür umso schlimmeren Krankheit namens Hämophagozytische Lymphohistiozytose - oder kurz HLH. Sollten die Möglichkeiten einer medikamentösen Therapie fehlschlagen, braucht Tobias dringend geeignete Stammzellen.

Am kommenden Samstag wird ein Etappenziel erreicht werden: Die Typisierungsaktion zur Suche nach dem einen Stammzellspender, der Tobias vielleicht das Leben retten kann. Oder irgendeinem anderen uns unbekannten Patienten in ähnlich hilfloser Situation. Vielleicht sogar für uns oder unsere Angehörigen, sollte uns morgen schon die Diagnose einer ähnlich schwer wiegenden Krankheit gestellt werden.

„Wir konnten nicht einfach zuhause sitzen und tatenlos die wenig ermutigenden Nachrichten von Tobias Gesundheitszustand anhören", so Kristina Schäflein aus Stettbach, Mitorganisatorin der Typisierungsaktion. „Die Macht- und Ratlosigkeit die einem diese Krankheit auch als Außenstehenden aufzwingt ist kaum zu ertragen. Deswegen mussten wir irgendetwas tun.", stimmt der Schweinfurter Jürgen Stepan zu. Die Entscheidung eine Typisierungsaktion zu starten fiel dann im kleinen Kreis mit den Eltern von Tobias. Zusammen mit Jürgen Lindemann aus Hoppachshof planten die drei die Typisierungsaktion am 10. Januar. Alle drei kennen die Weigands schon seit Jahren durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit beim Roten Kreuz in Schweinfurt. Man fuhr gemeinsam in Urlaub, feierte gemeinsam Silvester und freute sich schließlich auch vor vier Jahren, als sich den Weigands Nachwuchs ankündigte.

„Die letzten sechs Wochen sind wir mit Hilfe überrannt worden. So viel Anteilnahme am Schicksal eines kleinen Buben hätten wir nicht erwartet.", meint Jürgen Lindemann. Kurz umrissen passierte extrem viel in extrem kurzer Zeit: Die Internetseite für Tobias wurde veröffentlicht. Anhand der Zugriffsstatistik wurde schnell klar, dass das Interesse enorm ist. Daraufhin wurde in mühevoller Kleinarbeit versucht die medizinischen Fachtexte zur HLH in ein allgemeinverständliches Deutsch zu übersetzen. Infoplakate und Handzettel wurden entworfen um die Bevölkerung aufmerksam zu machen. Vollkommen Unbekannte sahen sich bewegt, die Plakate und die Internetseite in die Öffentlichkeit zu tragen. Noch vor Bekanntwerden der Aktion sagen Frank-Markus Barwasser, bekannt als Kunstfigur „Erwin Pelzig", und Peter Kuhn von der Schwarzen Elf als prominente Paten für die Typisierung zu. Dann die erste Typisierungsaktion in Tobias Kindergarten St. Johannis. Die Presse wurde auf die inzwischen in der ganzen Stadt zu findenden Plakate aufmerksam. Radio Primaton berichtete ganztägig von der Erkrankung und der notwendigen Stammzellsuche und organisierte eine große Spendenaktion auf dem Schweinfurter Weihnachtsmarkt. Eine schier unglaubliche Zahl von Privatpersonen, Firmen, Vereinen und Einrichtungen nahm sich der Aktion an. Kindergärten veranstalteten Weihnachtsbasare und verkauften Plätzchen; all das immer mit dem Ziel möglichst viele Spenden für die Typisierung neuer Stammzellspender zu sammeln. Alle Aktionen aufführen zu wollen, würde den Rahmen sprengen.

Überwältigt zeigen sich die Weigands, wenn sie sich allabendlich ins Internet einklinken um die Hilfsbereitschaft auf der Internetseite zu verfolgen. „Es tut uns gut zu wissen, dass wir diese schwere Zeit nicht alleine durchstehen müssen. Dass die ganze Region aufsteht und macht und tut, nur um unserem Tobias zu helfen.", so Mutter Ruth Tellert-Weigand beim Blick auf die Internetseite. Seit Tobias in der Würzburger Kinderintensivstation behandelt wird, ist sie rund um die Uhr in Würzburg; entweder an Tobias' Bett oder in Rufweite in der Elternwohnung, die nur wenige Meter von der Klinik entfernt ist. Vater Jürgen Weigand ist als Arzt auf der Intensivstation des Leopoldina Krankenhauses tätig, verbringt aber ebenfalls jede freie Minute in Würzburg. „Wir können unsere Dankbarkeit nicht genug ausdrücken.", sagen die Eltern unisono.

Die Organisatoren haben sich auf viele Menschen eingerichtet. „1.000 neue Typisierungen am 10. Januar waren unser erstes Ziel.", meint Kristina Schäflein. „Inzwischen haben wir die Zahl aber deutlich nach oben korrigiert." ergänzt Jürgen Stepan. Nachdem die Medien ihre volle Unterstützung im Vorfeld der Veranstaltung zugesagt haben, hoffen die Organisatoren inzwischen auf mehr als 2000 neue Typisierungen.

Mit der unbeschreiblichen Hilfsbereitschaft aus der Region wurden auch große Steine in den Mägen der Organisatoren zertrümmert: Eine solche Typisierungsaktion kostet Geld. 50 Euro für die Blutuntersuchung je Typisierung um genau zu sein. Kosten, die nicht von den Krankenkassen oder anderen öffentlichen Stellen übernommen werden. Geld, das nicht jeder ausgeben kann der spenden will. Bislang sind durch die beispiellose Spendenaktion rund 97.300 € zusammen gekommen. Die Finanzierung für etwas mehr als 1.900 Typisierungen ist damit gesichert. „Wir bitten alle Leute zur Typisierung zu kommen, die das möchten. Auch wenn sie nicht das Geld haben sich an den Kosten zu beteiligen. Denn nur wer sich am Samstag typisieren lässt, kann Leben retten.", ist der einstimmige Aufruf der Organisatoren.

Mehr als 140 ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes, der Malteser, des Leopoldina Krankenhauses und aus der Familie und dem Freundeskreis der Weigands werden die Spender am Samstag ab 10 Uhr in der TG-Sporthalle empfangen. „Wartezeiten werden sich wohl nicht vermeiden lassen,", so Jürgen Lindemann, „aber wir geben uns alle Mühe, dass jeder Spender so wenig Zeit für die Typisierung investieren braucht wie nötig." Aus diesem Grund bitten die Organisatoren auch: Nicht alle gleich um 10 Uhr kommen. Eltern brauchen sich derweilen keine Gedanken zu machen: Für Kinder ist während der Spende ein eigener Betreuungsbereich vorgesehen, in dem Erzieherinnen während der Typisierung ein Auge auf die Kinder haben.

„Als Spender kann nur aufgenommen werden, wer zwischen 18 und 55 Jahre alt und gesund ist.", erklärt Heinke Scholdei-Taut von der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gGmbH. Die DKMS führt die Typisierung mit den ehrenamtlichen Helfern aus Schweinfurt durch. Es gibt einige Ausschlusskriterien die bei der Spende zu beachten wären: So dürfen Spendewillige nicht an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege, des Blutes, der Psyche und des zentralen Nervensystems, des Autoimmunsystems sowie infektiösen oder Krebserkrankungen leiden. Aber auch Patienten mit zurückliegender Organtransplantation sind als Spender nicht geeignet. Detailfragen bei bestimmten Vorerkrankungen werden zwei Mitarbeiter der DKMS in der TG am 10. Januar beantworten.

Wie wird die Typisierung am 10. Januar ablaufen?

Die Typisierung selbst ist unkompliziert. Nach der Aufnahme der Adressdaten werden dem Spender lediglich fünf Milliliter Blut abgenommen. Das Verfahren gleicht dem des Hausarztes bei den Vorsorgeuntersuchungen. Für die Blutentnahme stehen durchweg Ärzte und erfahrene Kräfte aus medizinischen Berufen zur Verfügung. Beim Ausfüllen der Spenderdatenerfassung und bei der Blutabnahme helfen jeweils rund 20 Freiwillige. Für Menschen, die die Blutentnahme nicht im Sitzen vertragen, wurden Liegen des Blutspendedienstes organisiert. Und auch für den kaum denkbaren Notfall ist vorgesorgt: Ein Rettungswagen und Notärzte sind während der ganzen Zeit vor Ort in Bereitschaft.

Die Anfahrt ist auch für Auswärtige relativ einfach: Einfach ab der Ortsgrenze Schweinfurt der Beschilderung zum Silvana-Bad folgen. Parkplätze stehen im Bereich der Turngemeinde zum einen auf den großen Parkplätzen zur Verfügung. Weitere Parkplätze sind auch an den Straßen rund um die Halle zu finden. Radio Primaton wird live aus der TG Halle berichten und dabei auch über die aktuelle Parkplatzsituation rund um die Typisierungshalle informieren können.

Anderen Menschen Hoffnung auf ein Überleben bringen mit gerade mal fünf Milliliter Blut und ein wenig Zeit in der Sporthalle der TG am kommenden Samstag. Besser sollte ein neues Jahr nicht beginnen können.

Doch dazu braucht es die Hilfe Aller.

Kommen Sie zur Typisierung.

Vielleicht sind gerade Sie der Lebensretter, auf den jemand schon lange wartet!

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